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Das Dany Interview:

WAS FÜR EINE GUTE IDEE, WIEDER MIT OLIVIER RAMEAU ANZUFANGEN. ABER WARUM HABEN SIE JE AUFGEHÖRT?

Das hatte zwei Gründe. Anfang der 90-er Jahre habe ich mit meinen Erotikparodien begonnen mich zu verändern - meine Verleger sagten, mich zu verzetteln. Zu der Zeit wurde der Holländer Rob Harren Direktor bei Lombard. Er besaß in Holland einen eigenen Verlag, in dem er die Serien von Lombard herausgab. Olivier Rameau lief in Holland nicht sehr gut, also flog er zusammen mit etwa zehn anderen Serien aus dem Katalog von Lombard. Da Harren außerdem Herausgeber meiner erotischen Alben in Holland war, trieb er mich dazu, nichts anderes mehr zu machen. „Wir werden uns die Eier vergolden!“ sagte er immer.

UND DER ZWEITE GRUND?

Das war meine Schuld. Wir hatten einen elften Band versprochen und Greg hatte wie immer die ersten zehn Seiten des Szenarios abgeliefert. Ich habe die Zeichnungen aber immer wieder verschoben und da Greg niemals weitermachte, bevor die ersten Seiten gezeichnet waren, konnten wir die Termine nicht einhalten und der Verleger hatte einen Grund, unsere Serie rauszuschmeissen.

WIE KOMMT EIN STADTMENSCH WIE GREG DAZU, EINE DERART BUKOLISCHE, OPTIMISTISCHE SERIE ZU SCHREIBEN?

Er war ein superber Macher, ein unvergleichlicher Techniker mit vielen Facetten, der eigentlich alles machen konnte. Er schien total zynisch zu sein und war ein Meister des schwarzen Humors. Aber er besaß auch eine naive, nahezu blauäugige Seite in sich und konnte deshalb Olivier Rameau mit absoluter Leichtigkeit schreiben. Ich wollte immer, daß die Serie etwas mehr Action bekommt, aber er war dagegen.

WAR OLIVIER RAMEAU DAS, WAS SIE SCHON IMMER ZEICHNEN WOLLTEN?

Ganz und gar nicht. Ich wollte eine Detektivserie im Stil von Jeff Jordan machen. Für mich war diese Serie von Tillieux sehr solide, sehr gut konstruiert und mit extraordinärem Humor absolut top! Als Greg mir dann Olivier Rameau anbot, riss ich erstmal die Augen auf! Aber ich wurde verführt.

IM BAND 1 MACHEN SIE SICH GLEICH ÜBER HIPPIES UND „PEACE NO WAR“ LUSTIG, DIE ZU DER ZEIT SEHR IN MODE WAREN ...

Wir haben uns über alles lustig gemacht – die Staatsmacht, die Hippies, es war sehr amüsant! Aus heutiger Sicht muss man Greg recht geben, der Mai 68 ist zusammengefallen, wie ein Souffle. Wie immer sind einige zu weit gegangen und wollten alle Regeln zerstören. Wenn man bedenkt, daß Goscinny, der ein sehr offener Geist war, dank seines Erfolges mit Asterix den Verleger Georges Dargaud dazu bewegen konnte, Leuten wie Wolinski, Bretecher, Cabu, Gotlib eine Chance zu geben, und dann von einem „Volkstribunal“ von Zeichnern verurteilt wurde, weil er auf Seiten der Macht stehe. Welch ein Schwachsinn! In Olivier Rameau haben wir uns von beiden Seiten darüber lustig gemacht. Der Humor schafft eine gewisse Distanz und erlaubt einem, die Dinge weniger verkniffen zu sehen.

 


WIE KAM ES EIGENTLICH ZU DEN EROTISCH-WITZIGEN ALBEN?

Natürlich fing alles mit Colombe an. Den Brüdern Joors, Inhaber des Comicladens Durango in Brüssel war 1988 aufgefallen, daß die Leser bei Signierstunden Colombe immer etwas nackter wollten, als in den Alben. Dadurch entstand die Idee ein Portfolio zu machen, das Colombe vom Kontext der Alben und ihren Kleidern befreite. Es verkaufte sich wie rasend, ein phänomenaler Erfolg. Thierry Taburiaux von P&T Productions wollte sofort Poster davon machen und machte mir den Vorschlag, ein erotisches Album zu machen, eine Art Kama Sutra in Comicform.

HATTEN SIE DAS SCHON LÄNGER IM AUGE?

Ich hatte nie daran gedacht. Aber warum nicht. Ich zeichne alles gern, aber hübsche Mädchen schon etwas lieber als Lokomotiven. Ich begann also, alle möglichen amourösen Positionen in realistischer Weise zu zeichnen, bis ich bemerkte, daß der Realismus mich langweilte. Nun war ich von Freunden umgeben, die in einzigartiger Weise Witze erzählen konnten, inbesondere Tibet ist unzweifelhaft der beste Witzeerzähler der Welt. Warum also nicht erotische Witze in Form eines Comicgags bringen? Meine Idee war dabei, diese Gags im francobelgischen Stil zu machen. Ein bißchen wie Boule und Bill.

SELTSAMER VERGLEICH

Ich spreche von der Technik. Ich wollte die Strenge der francobelgischen Schule in der Auswahl und Behandlung der Figuren, der Hintergründe, der Autos etc beibehalten, um auch die irrsten Gags glaubhaft zu machen. Ich konstruiere diese Gags, modelliere, belebe, dekoriere, schneide, baue sie auf, mit der Strenge und dem Realismus eines klassischen Gags. Zweifellos einer der Gründe für ihren Erfolg.

WO ZIEHEN SIE BEI DIESEN GAGS IHRE GRENZEN?

Zuerst einmal alles Skatologische jeglicher Art kommt für mich nicht in Frage. Über Pipi-kacka kann ich nicht lachen. Ich habe praktisch keine Gags über Homosexuelle gemacht, denn Männer zu zeichnen amüsiert mich weniger. Auch von Witzen, die sich gut erzählen aber nicht zeichnen lassen, lasse ich die Finger. Ich versuche auch zu junge Leser, die meine Alben in die Hände bekommen nicht zu schockieren. Sie sind nun mal nicht für Zehnjährige gemacht. Auch allzu explizite rohe Dinge wird man in meinen Comics nicht finden. Ich will zum Lachen anregen, nicht erregen.

ABER DIESE COVER ...

Ich gebe es zu, die haben eine voyeuristische Seite mit den halb ausgezogenen, sehr sexy gezeichneten Mädchen. Ich hielt es für eine gute Idee und bereue es ein wenig. Bei einer Neuausgabe werde ich zweifellos Cover zeichnen, die mehr in Richtung Gag gehen. Ich möchte in den Buchläden in der Abteilung für Humor stehen und nicht in der für Erotik.

WAS IST FÜR DIE ZUKUNFT ZU ERWARTEN

Ich verfolge ein Projekt mit Yves H., dem Sohn von Hermann, ein weiteres mit Christophe Arleston und noch ein drittes, vielleicht gucken Sie mal im Internet.

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